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01Nov19

Musik braucht Zeit

Wenn die Welt sich zu schnell dreht

Wir leben in einer Gesellschaft, für die der Satz „Zeit ist Geld“ eine große Bedeutung hat und sich jeder darum bemüht, möglichst effektiv und schnell zu arbeiten, um nicht zu viel Zeit zu verbrauchen und somit natürlich auch Geld. Im Prinzip wird es ja von uns verlangt, dass wir möglichst schnell tausend Dinge gleichzeitig erledigen können und nebenbei noch ein offenes Ohr für die Probleme anderer haben. Gar nicht so einfach, da noch ein bisschen Zeit für sich selbst heraus zu nehmen. Und das ist oft der falsche Weg in Bezug auf die Musik. Sie bedeutet Kreativität entfalten, Ideen entwickeln, sich Zeit zu nehmen. Schafft man das denn immer?

Stell dir vor, du gehst einem normalen Hauptjob (beispielsweise als IT-Elektroniker) nach und widmest ihm zu 120 Prozent oder mehr deine Aufmerksamkeit acht Stunden am Tag:

  1. Du bist nach der Arbeit ausgelaugt und viel zu müde, um noch einen Finger zu rühren
  2. Da warten noch alltägliche Dinge im Haushalt, die auch erledigt werden müssen
  3. Du bist mit den Gedanken noch völlig woanders und kannst dich nicht so schnell auf was neues (kreatives) einlassen

Wie schafft man es nun, in diesem Stadium, sich Zeit für sein großes und umfangreiches Hobby zu nehmen? Bei mir ist es oft so, dass ich es Tag für Tag auf den nächsten Tag verschiebe. „Morgen habe ich mehr Zeit, da kann ich besser Musik machen.“ Ich habe festgestellt, dass das eine gute Methode ist, eines der schönsten Erlebnisse am Tag immer wieder wegzuschieben. Aber was kann man dagegen tun? Wie kann man sich Zeit für etwas nehmen, was eigentlich viel zu viel Zeit verbraucht?

Immer unter Zeitdruck

Wir Menschen jagen immer wieder der Zeit hinterher und stehen dadurch unter großem Druck, den wir uns oftmals selber schaffen. In Zeiten, in denen wir permanent mobil erreichbar sind und das Handy die meiste Zeit neben uns liegt, ob auf der Arbeit oder zu Hause, haben wir es schwer, mal wirklich abzuschalten. Da will ein Freund was von dir, der dir täglich Nachrichten schreibt, den du aber auch nicht ignorieren willst. Oder ein Bekannter ruft dich an und fragt dich, ob du nicht mal kurz vorbei kommen kannst, um ihm bei einer wichtigen Sache zu helfen. Die Ja-Sager unter uns sind natürlich sofort zur Stelle (ich nehme mich da nicht aus) und helfen, wo sie nur können, weil man ja hilfsbereit ist. Aber eigentlich wollten wir doch … An dieser Stelle entsteht wieder dieser Druck. Wenn ich jetzt zu XYZ gehe und danach das und das noch schnell erledige, habe ich danach mal ein bisschen Zeit für Musik. – Meistens kommt es anders. – Man kommt viel zu spät wieder zu Hause an und hat sich mit der Zeit total verschätzt. Und warum? Weil wir denken, dass wir eine Maschine sind und solche hilfsbereiten Taten in der und der Zeit punktgenau erledigt sein müssten, weil es ja auf Arbeit auch so ist. Wir denken, so funktionieren wir und nicht anders.

Aber wir sind immer noch Menschen! Denkt an den neuen Song von Tim Bendzko „Keine Maschine“. Der Text von ihm greift genau dieses Thema auf und der Erfolg zeigt, dass sich natürlich viele eine Änderung dieser Situation wünschen. Wie erreichen wir dieses Ziel, wenn wir es von überall vorgelebt bekommen und es von uns verlangt wird?

SICH ZEIT NEHMEN

Wir müssen umdenken und unser Leben neu strukturieren. Das fängt bei kleinen Dingen an. Man sollte versuchen, einfach mehr Zeit für die Dinge einzuplanen und sich nicht zu viel an einem Tag vorzunehmen. Denn sonst kommt ihr täglich in Konflikt mit der Zeit und seit viel zu oft erschöpft, weil ihr wieder nicht alles geschafft habt. Es geht hier um das Thema Musik. Für viele ein Hobby, welches viel Zeit verschlingt, egal ob in einer Band oder als Solo-Künstler / Komponist. Diese Zeit müssen wir uns als Musiker einfach an gewissen Stellen frei schaufeln. Und damit meine ich nicht, alle eure Freunde und Familie hängen zu lassen (um Gottes Willen). Sondern eher sich die Zeit besser einzuteilen, um nicht unter Zeitdruck zu geraten. Das fällt oftmals sehr schwer, weil im Leben einfach viele Dinge wichtig sind und gerade im Berufsleben natürlich eine große Rolle spielen. Wenn du dich selbst aber als Musiker bezeichnest, musst du der Musik Zeit einräumen. Denn du brauchst sie für dich selbst, sie ist ein Teil von deiner Persönlichkeit!

Manchmal muss man sich auch klar machen, dass es natürlich nicht immer geht, oder es nach einem anstrengenden Arbeitstag einfach nicht von alleine läuft und man erstmal wieder „reinkommen“ muss. Das muss man akzeptieren. Gebt der Musik Zeit, damit sie sich entfalten kann. Kreativität braucht nun mal Zeit und die sollte man nicht erzwingen.

Neue Inspiration

Beim Lesen habt ihr sicher schon gemerkt, dass ich hier hauptsächlich auf das Musik ausüben eingehe, nicht auf das Hören. Aber auch diesen Teil dürfen wir nicht außer Acht lassen. Intensives Musik hören und sich dafür Zeit zu nehmen ist ebenso wichtig, wie selbst musikalisch tätig zu sein und dabei Spaß zu haben. Denn durch das reine Hören von anderer oder eurer eigenen Musik schöpft viel besser neue Inspiration. Ich mache das selbst viel zu selten und muss mir häufig klar machen: Ich brauche das!
Ich brauche diesen Moment, in dem man mal die Gedanken schweifen lassen kann. Das geht beim Musik hören ziemlich gut. Ich brauche dieses Gefühl, wenn man mal eine Stunde lang nur Musik hört und sich nur darauf konzentriert, ohne zu viel zu analysieren (Ja, als Musiker macht man das fast immer). Musik ist ein Teil von mir und ich brauche sie, um einfach mal abzuschalten. Abends Serien auf Netflix schauen ist ja mal ganz nett, aber mich bringt es teilweise dann doch nicht genug zur Ruhe (wenn es gerade mal wieder spannend ist). Die Abwechslung bringt es! Probiert es einfach mal aus und setzt euch nach der Arbeit mal eine Stunde auf die Couch und hört einfach nur Musik. Mir hilft es auf jeden Fall, wenn ich der Musik in meinem Leben mehr Zeit einräume und ich kann dadurch viel neue Inspiration schöpfen.

Ausblick

Natürlich habe ich dieses Thema hier erstmal nur angerissen. Es gibt so viele verschiedene Ansichten und Methoden dazu, um den perfekten kreativen Raum zu schaffen für deine Musik. Mich interessiert auch eure Meinung dazu! Wie räumt ihr euch die Zeit ein, die ihr braucht? Ich freue mich über Meinungen und Kommentare. Vielleicht entstehen bei euch auch Fragen, die ich gern nochmal in einem weiteren Artikel dazu erörtern kann.

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